Psychische Gesundheit braucht gemeinsame Verantwortung
Welttag für psychische Gesundheit, 10. Oktober 2026
Psychische Gesundheit betrifft uns alle. Sie beeinflusst, wie wir denken, fühlen, handeln, Beziehungen gestalten und mit Herausforderungen umgehen. Sie ist eine wesentliche Grundlage für unser Wohlbefinden, unsere persönliche Entwicklung und unsere Fähigkeit, am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilzunehmen.
Der heutige Welttag für psychische Gesundheit bietet Anlass, genauer hinzuschauen. Wie steht es um die psychische Gesundheit in der Schweiz? Was können wir als Gesellschaft, Unternehmen und Einzelpersonen dazu beitragen, Menschen zu stärken?
Denn psychische Gesundheit beginnt nicht erst dort, wo Menschen erkranken. Sie verdient bereits dort Aufmerksamkeit, wo Menschen leben, lernen, arbeiten, Verantwortung übernehmen und sich weiterentwickeln. Die Förderung und Erhaltung der psychischen Gesundheit sollte deshalb eine kontinuierliche Aufgabe sein, bei der Prävention und niederschwellige Unterstützung eine wichtige Rolle spielen.
Psychische Gesundheit in der Schweizer Arbeitswelt
Der Nationale Gesundheitsbericht 2025 des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) zeigt, dass es den meisten Erwerbstätigen in der Schweiz grundsätzlich gut geht und die Arbeitszufriedenheit hoch ist. Gleichzeitig sind psychische Belastungen weit verbreitet.
Rund ein Viertel bis ein Drittel der Erwerbstätigen berichtet von Stress oder Erschöpfung. Unabhängig von arbeitsbedingten Belastungen haben rund 20 Prozent der Erwerbstätigen eine psychische Problematik, die sich auf ihre Arbeit auswirkt.
Entscheidend für die psychische Gesundheit ist dabei insbesondere das Verhältnis zwischen Belastungen und verfügbaren Ressourcen. Eine wichtige Rolle spielen unter anderem die Beziehung zu Vorgesetzten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Unternehmen können deshalb einen wesentlichen Beitrag zur psychischen Gesundheit leisten. Eine respektvolle Führungskultur, Vertrauen, offene Kommunikation sowie gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen schaffen dafür wichtige Voraussetzungen.
Dabei geht es nicht darum, sämtliche Herausforderungen oder Belastungen zu vermeiden. Vielmehr sollten Menschen befähigt und unterstützt werden, konstruktiv damit umzugehen. Ebenso wichtig ist es, vermeidbare Belastungen zu reduzieren, Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf geeignete Unterstützung anzubieten.
Psychische Gesundheit ist somit nicht ausschliesslich eine persönliche Angelegenheit. Sie gehört auch zur Verantwortung von Unternehmen und Führungspersonen und sollte in der Personalentwicklung und im betrieblichen Gesundheitsmanagement einen festen Platz einnehmen.
Junge Menschen stärken – eine wichtige Aufgabe der Berufsbildung
Auch für Jugendliche und junge Erwachsene ist psychische Gesundheit von grosser Bedeutung.
Die repräsentative Pro Juventute Jugendstudie 2026 zeigt ein differenziertes Bild: 88 Prozent der befragten 14- bis 25-Jährigen fühlen sich grundsätzlich psychisch wohl. Gleichzeitig bleibt der Schul- und Ausbildungsstress ein bedeutender Belastungsfaktor. 41 Prozent fühlen sich durch Prüfungen in Schule oder Ausbildung gestresst.
Auch die Sorgen um die berufliche Zukunft haben zugenommen. Rund ein Drittel der Jugendlichen macht sich darüber häufig oder sehr häufig Gedanken. Bei der ersten Erhebung lag dieser Anteil noch bei einem Viertel.
Besonders nachdenklich stimmt die Entwicklung bei der Selbstwirksamkeit: Nur noch etwas mehr als ein Drittel der befragten Jugendlichen gibt an, aktiv gegen eigene Probleme vorgehen zu können. Bei der ersten Befragung war es noch rund die Hälfte.
Diese Erkenntnisse zeigen, wie wichtig es ist, junge Menschen nicht ausschliesslich vor Belastungen zu schützen, sondern sie auch in ihren Fähigkeiten, Ressourcen und ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken. Gerade die Berufsbildung bietet dafür wertvolle Möglichkeiten. Neben dem Erwerb beruflicher Handlungskompetenzen können Lernende Selbstvertrauen entwickeln, Verantwortung übernehmen, Erfolge erleben und lernen, mit Schwierigkeiten umzugehen.
Berufsbildende, Praxisbildende und Lehrpersonen nehmen dabei eine wichtige Rolle ein. Sie vermitteln nicht nur Wissen und Fertigkeiten, sondern begleiten junge Menschen in einer prägenden Lebensphase. Indem sie junge Menschen ernst nehmen, ihnen zuhören, Orientierung geben und ihnen etwas zutrauen, leisten sie einen Beitrag zur Stärkung ihrer psychischen Gesundheit.
Diese Begleitung ist anspruchsvoll. Berufsbildende müssen fachliche Ausbildungsziele und individuelle Bedürfnisse miteinander vereinbaren und übernehmen häufig weitere betriebliche Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Auch sie benötigen deshalb entsprechende Kompetenzen, Ressourcen und Unterstützung.
Der Nationale Gesundheitsbericht 2025 weist zudem darauf hin, dass psychisch bedingte IV-Berentungen bei unter 30-Jährigen seit den 1990er-Jahren zunehmen. Häufig zeigt sich im Vorfeld eine frühzeitig abgebrochene Ausbildung. Eine frühzeitige und koordinierte Unterstützung während der Ausbildung ist deshalb von besonderer Bedeutung.
Betriebliches Mentoring – Menschen begleiten und stärken
Psychische Gesundheit sollte nicht erst dann zum Thema werden, wenn Belastungen überhandnehmen oder Menschen erkranken. Hier bietet das Betriebliche Mentoring eine wertvolle Möglichkeit.
Durch qualifizierte Betriebliche Mentorinnen und Mentoren mit eidgenössischem Fachausweis können Unternehmen ihren Mitarbeitenden und Lernenden eine professionelle, niederschwellige und präventiv ausgerichtete Begleitung ermöglichen. In einem vertraulichen Rahmen können berufliche und persönliche Herausforderungen, Konflikte, Veränderungen oder Entwicklungsprozesse frühzeitig angesprochen und reflektiert werden.
Das Angebot richtet sich nicht ausschliesslich an Menschen in belastenden Situationen. Auch Führungspersonen, Berufsbildende und Praxisbildende können in ihrer anspruchsvollen Rolle begleitet und gestärkt werden. Denn wer Verantwortung für andere Menschen trägt, benötigt selbst Möglichkeiten zur Reflexion, Orientierung und Unterstützung.
Betriebliches Mentoring setzt auf die vorhandenen Ressourcen, die Selbstreflexion und die Eigenverantwortung der begleiteten Personen. Es unterstützt sie dabei, neue Perspektiven und eigene Lösungen zu entwickeln und ihre Selbstwirksamkeit zu stärken. Damit kann es einen wertvollen Beitrag zur Förderung und Erhaltung der psychischen Gesundheit leisten.
Betriebliches Mentoring ersetzt weder medizinische oder psychotherapeutische Behandlungen noch die Verantwortung von Unternehmen für gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen. Es kann jedoch bestehende Führungs-, Bildungs- und Gesundheitsangebote sinnvoll ergänzen.
Wir sehen darin grosses Potenzial, Menschen frühzeitig zu unterstützen und ihre persönliche und berufliche Entwicklung nachhaltig zu fördern. Denn wenn es den einzelnen Menschen gut geht, geht es der ganzen Gesellschaft gut.
Betriebliches Mentoring für Ihr Unternehmen
Die Potenzial-e GmbH bietet Betriebliches Mentoring als vertrauliches, niederschwelliges und präventiv ausgerichtetes Begleitungsangebot an.
Möchten Sie erfahren, wie Betriebliches Mentoring in Ihrem Unternehmen eingesetzt werden kann?
Wir freuen uns über Ihre unverbindliche Kontaktaufnahme.
Aktueller Appell von Pro Juventute
Zum Welttag für psychische Gesundheit richtet Pro Juventute einen Appell an die Schweizer Politik. Die Organisation fordert, die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stärker zu berücksichtigen, niederschwellige Unterstützungsangebote auszubauen und junge Menschen bei Entscheidungen, die sie betreffen, vermehrt einzubeziehen.
Wir unterstützen diese Anliegen und sind überzeugt, dass neben der Politik auch Unternehmen, Bildungsinstitutionen und die Gesellschaft Verantwortung übernehmen müssen.
Weitere Informationen und Möglichkeit zur Unterstützung: Appell von Pro Juventute
Quellen und weiterführende Informationen
Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Obsan), 2025
Nationaler Gesundheitsbericht 2025, insbesondere Kapitel 9: «Psychische Gesundheit im Kontext von Ausbildung und Arbeit».
https://www.gesundheitsbericht2025.ch/chapter/9
Pro Juventute, 2026
Pro Juventute Jugendstudie 2026. Repräsentative Befragung von 960 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 25 Jahren. https://www.projuventute.ch/de/eltern/entwicklung-gesundheit/wie-geht-es-den-jugendlichen-in-der-schweiz









